Toni Siegerts Wahrheitsliebe

Das erwähnte fehlerhafte „Hörbild“ stammt aus der Feder des Journalisten und Redakteurs beim Bayerischen Rundfunk Toni Siegert. Ihm hat Prälat Emmeram Ritter 1996 bescheinigt: „Es gibt in seinen Forschungsergebnissen keinen Satz, den er nicht durch Quellen eindeutig beweisen könnte.“

Auf das Gesamtergebnis von Siegerts Forschungsergebnissen warten wir allerdings immer noch. Dieses Gesamtergebnis hat Weihbischof Vinzenz Guggenberger im April1998 als „Biographie von Therese Neumann“ bezeichnet und von ihr gesagt, sie werde „das Fundament für die voraussichtliche Seligsprechung“ bilden.

Betrachten wir eines dieser Forschungsergebnisse etwas eingehender, das unter dem Titel „Neue Erkenntnisse“ über Ferdinand Neumann sen., den Vater der Stigmatisierten, verbreitet wurde. Das erste Mal hat Siegert darüber am 18. April 1998 in der Seminarkapelle von Fockenfeld gesprochen. Der Vortrag wurde zunächst als Manuskript, dann als „Sonderbrief 1998“ verbreitet. Dazu habe ich in meiner 1999 veröffentlichten Schrift WAHRHAFTIGKEIT UND GLAUBWÜRDIGKEIT IN DER KATHOLISCHEN KIRCHE kritisch Stellung genommen. Es hat nichts gefruchtet: Im „Therese-Neumann- 11 (1999)“ wurde erneut ein Auszug aus Siegerts Vortrag verbreitet. Siegert spricht von einem „bisher nicht ausgewerteten Schreiben des damaligen Regensburger Bischofs Michael Buchberger“, das er als „15-Punkte-Brief“ bezeichnet. Er erinnert an die vom Jahr 1927 an regelmäßig wiederholte Aufforderung, Therese Neumann solle sich in einer Klinik überwachen lassen. „Dieses Vorhaben“, so behauptet er, „scheiterte am Widerspruch von Vater Neumann.“ Als Begründung gibt er an: „Neumann hatte dazu ein ziemlich energisches Schreiben mit 15 konkreten Überlegungen an den Bischof gerichtet. Diese 15 Punkte sollten die Grundlage für eine mögliche Untersuchung bilden. Zunächst behauptete Ferdinand Neumann, einen solchen Brief nach Regensburg gesandt zu haben. Doch umgekehrt bestand der Bischof darauf, nie ein solches Schriftstück erhalten zu haben. Als Rom mehrmals anmahnte, warum denn der Bischof mit seinem Drängen nicht vorankäme, schrieb Buchberger an den Vatikan, daran sei nur der Vater schuld. Der beharrte seit Monaten auf seinen angeblichen Punkten, die dieser aber nie geschrieben habe. Aus Vater Neumanns Privataufzeichnungen wissen wir mittlerweile, dass er zu Hause seine Abschrift ebenfalls nicht mehr finden konnte. Aber er könne sich genau erinnern, diesen entscheidenden Brief geschrieben zu haben.“

Nach diesen Ausführungen fährt Siegert fort:

„Dieser Punkt wird seit Jahrzehnten von einem bekannten Konnersreuth-Gegner immer wieder ins Lächerliche gezogen. In seinen Büchern führt er die angebliche ,,Ausrede' als Beweis dafür an, dass Vater Neumann gelogen habe.“

So spricht Toni Siegert. Dann schildert er, “wie es wirklich war“. Er sagt: „Während der 20er und 30er Jahre“ gab es in der Bischofskanzlei „eine chaotische Aktenführung“. Darum „gerieten bereits ab 1927 die Akten allmählich durcheinander. Deshalb tauchte wohl auch Vater Neumanns Brief mit den bewussten Punkten in den Papierbergen unter. Erst 1998 wurde das Original bei genaueren Nachforschungen im Bischöflichen Zentralarchiv wiederentdeckt. Der handgeschriebene Brief lag zwischen Dutzenden unwichtiger Schriftstücke. Es waren tatsächlich Neumanns 15 Punkte. Die Kanzlei des Bischofs hatte damals mit der handschriftlichen Fassung des Vaters sogar noch eine Abschrift mit Schreibmaschine erstellt. Auch dieses ist vorhanden.“ Der Brief wurde demnach „tatsächlich offiziell registriert“, er ist allerdings „erst heute aufgetaucht.“

Siegert beruft sich auf meine Bücher. Was er wohl unter dem Begriff „Bücher lesen“ versteht? Ich wiederhole, was ich bereits in meiner Schrift WAHRHAFTIGKEIT UND GLAUBWÜRDIGKEIT IN DER KATHOLISCHEN KIRCHE geschrieben habe:

Bischof Buchberger hat den „15-Punkte-Brief“ erhalten und gelesen, und zwar nicht nur einmal. Was Ferdinand Neumann sen. „zuhause“ hatte, war nicht eine „Abschrift“, sondern der von einem Eichstätter Professor - wahrscheinlich war es Prof. Lechner - gelieferte Text. Diesen schrieb Ferdinand Neumann ab und schickte die Abschrift am 17. Oktober 1932 an den Bischof, der die Existenz des „15-Punkte-Briefes“ dem Vatikan gegenüber niemals verneint hat. Im Gegenteil: Er hat am 30. Januar 1937 eine Kopie des Briefes nach Rom geschickt.

Den Brief, den angeblich Bischof Buchberger nie erhalten hat und den erst Toni Siegert im Jahr 1998 entdeckt haben will, habe ich bereits vor 1970 in Händen gehabt. Würde Siegert meine Bücher wirklich lesen, dann hätte er feststellen müssen, dass ich in meinem 1972 veröffentlichten Buch KONNERSREUTHALS TESTFALL sowie in den 1997 herausgegebenen Schrift KONNERSREUTH ODER EIN FALL VON VOLKSVERDUMMUNG mehrmals auf ihn hingewiesen und erwähnt habe, dass der ganze Text jeweils im Anhang, wo er in vollem Wortlaut abgedruckt ist, nachgelesen werden kann.


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Gerald_Huber@r.maus.de

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Letzte Änderung: 1. Juli 2006