„Konnersreuth“

eine

„ewige Lüge“

von Josef Hanauer

„Wer gern lügt, macht gern Wunder“

Es will nicht still werden um die 1962 verstorbene Therese Neumann, die so genannte Stigmatisierte von Konnersreuth. Obwohl inzwischen von den zuständigen Fachleuten als eine der größten Betrugsaffären des vergangenen Jahrhunderts ad acta criminalis historiae gelegt1, werden die alten falschen Behauptungen von angeblich übernatürlichen Vorkommnissen um das “Heilandsreserl“ von wundersüchtigen Zeitgenossen weiter kolportiert; einschlägige Konventikel träumen gar von Seligsprechung. Für letztere fehlt es jedoch an sämtlichen kanonistischen Voraussetzungen; denn der Lebenswandel der Kandidatin war bekanntlich alles andere als heiligmäßig, und ihre “ Wunder“ sind längst als ganz irdische Machenschaften entschleiert2.

Aber Mirakelerzählungen sind erfahrungsgemäß zählebig, besonders wenn sie mit lukrativen Erwartungen verknüpft sind. So verwundert es den Sachkenner keineswegs, wenn von Zeit zu Zeit durch interessierte Kreise „bisher unbekannte neue Tatsachen“ ins Spiel gebracht werden, welche die nicht aussterbenden Zweifler doch noch verstummen lassen sollen. Es versteht sich von selbst, dass alle solche Prätentionen genauestens untersucht werden müssen; denn bislang hat keine einzige einer kritischen Überprüfung standgehalten. Das gilt gerade auch für den Fall Konnersreuth, in dem jetzt plötzlich angeblich bisher unbeachtet in Archiven schlummernde Dokumente aus dem Nachlass der Familie Neumann neue Beweise für die erheischte Kanonisierung liefern sollen:

Am 15. März 1999 berichtete die in Weiden erscheinende Zeitung „Der neue Tag“, Toni Siegert, Journalist und Redakteur beim Bayerischen Rundfunk in München, wolle noch im laufenden Jahr „sein Buch über die Konnersreuther Resl publizieren, eine umfassende Dokumentation, die auch die intimen, bisher unveröffentlichten Teile der Nachlassverwaltung durch Resls Bruder Ferdinand enthalten soll und sich damit von der bisher erschienenen Literatur abheben dürfte“; nach Ansicht einer „engen Mitarbeiterin in der Abteilung für Selig- und Heiligsprechungsprozesse im Bistum Regensburg ... sei gerade die akribische Dokumentation der Vorgänge um die Resl, die von ihrem unlängst verstorbenen Bruder Ferdinand seit 1930 vorgenommen wurde, sicher hilfreich für die genaue Prüfung, die der Eröffnung eines Diözesanprozesses vorangeht.“ Schon ein Jahr zuvor, im April 1998, hatte der Regensburger Weihbischof Vinzenz Guggenberger das Erscheinen des neuen Buches über Therese Neumann angekündigt und erklärt, dieses werde „das Fundament für die voraussichtliche Seligsprechung“ bilden.


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Gerald_Huber@r.maus.de

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Letzte Änderung: 1. Juli 2006